Staatstheater Nürnberg
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THEATER OHNE PUBLIKUM EXISTIERT NICHT

Am 10. März fand die letzte reguläre Opernvorstellung am Staatstheater Nürnberg statt. Wie viele andere Bereiche der Gesellschaft wurde auch die Oper in voller Fahrt ausgebremst: Zwei Tage nach der erfolgreichen Premiere der „Piraten von Penzance“, mitten in den Proben von Rubinsteins Rarität „Der Dämon“ durften wir nicht mehr spielen und lange Zeit auch nicht proben. Es folgte die Phase der Eventualitäten, der Abstandsmessungen, Verordnungen, der Aerosolstudien und des Planens auf Zuruf. Der Digitale Fundus des Staatstheaters entwickelte sich zu einer kreativen Plattform, einer Art Exilbühne, um die Brücke zu Ihnen, unserem Publikum, aufrecht zu halten – aber er ist kein Ersatz für Theater. Theater ohne Publikum existiert nicht.

Deswegen haben wir uns mit Verve in die Aufgabe gestürzt, einen Spielplan zu entwickeln, der den neuen Bedingungen gerecht wird, damit wir in der nächsten Spielzeit wieder live im Opernhaus für Sie spielen können. Bei aller Spontaneität kann es aber nicht darum gehen, den Spielplan lediglich formal anzupassen, indem man etwa die Zahl der Plätze und Mitwirkenden reduziert. Theater reagiert grundsätzlich auf das, was eine Gesellschaft bewegt, und so können wir auch aus künstlerischen Gründen nicht einfach so weitermachen wie bisher.

In der Zeit der Pandemie haben wir elementare Erfahrungen gemacht. Wirtschaft, Schulen, Theater wurden stillgelegt, Kontakt beschränkt, der Zugang zur Welt abgeschnitten. Dem Theater wurden die Mittel versagt, auf diese Situation reagieren zu können. Unsere künstlerische Antwort auf dieses Gefühl der Ohnmacht ist eine der ersten Opern überhaupt: Claudio Monteverdis „Orfeo“. Obwohl über 400 Jahre alt, ist sie aktueller denn je. Sie zeigt uns eine Welt der Lebenslust, der Lebensgier, der Konsumfreude, die sich von einem Moment auf den anderen in ihr Gegenteil verwandelt. Und mitten drin Orpheus, der den Tod von Eurydike nicht akzeptieren will und kann und sein Schicksal herausfordert.

Ich bin sehr stolz darauf, dass wir diese Produktion komplett aus unserem wunderbaren Opernensemble besetzen können und dass Generalmusikdirektorin Joana Mallwitz mit uns diese spannende Aufgabe angeht – mit einer neuen, eigens für diese Inszenierung erstellten Orchesterfassung.

Gut 120 Jahre nach „L’Orfeo“ wurde Antonio Vivaldis „Bajazet“ in Verona uraufgeführt. In der Zwischenzeit hatte sich die junge Gattung Oper erheblich weiterentwickelt. Dieses Opern-Pasticcio hatten wir in der Inszenierung von Nina Russi, einer jungen Regisseurin und Götz-Friedrich-Preisträgerin, regulär für den Herbst geplant. Das Aufeinandertreffen dieser beiden Werke in unserem Spielplan ist nun unverhofft eine spannende Gelegenheit, die Vielfältigkeit der so genannten „Alten Musik“ live zu erleben.

Doch wir wollen uns nicht nur künstlerisch mit der Situation auseinandersetzen, sondern auch einen Beitrag zur aktuellen Debatte leisten. Unsere Gesprächsreihe „Open Shutdown“ soll ab dem 27. September von unserer Homepage live ins Opernhaus wandern und sich weiter mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft beschäftigen – mit interessanten Gesprächspartnern und mehr Ruhe und Tiefgang, als es die aufgeregte öffentliche Debatte zulässt.

Der kreative Umgang mit der Situation ist unser Antrieb; auf den Weg in die Normalität flexibel zu bleiben, ist einerseits eine große Herausforderung und bietet andererseits viele Chancen für gemeinsame Entdeckungen mit Ihnen im reichen Repertoire der Oper.

Herzlich, Ihr
Jens-Daniel Herzog
Staatsintendant und Operndirektor

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